Die Werkstoffwahl beeinflusst den Preis eines Drehteils zweimal — einmal über den Preis der Stange und ein zweites Mal über die Hauptzeit, die das Teil auf der Maschine verbringt. Der zweite Posten wiegt bei Serienfertigung meist schwerer: Edelstahl kann die Maschine ein Vielfaches länger belegen als Automatenstahl, und das schlägt im Stückpreis stärker durch als der Unterschied im Werkstoffpreis.
Zerspanbarkeit: was sie bedeutet und warum sie zählt
Zerspanbarkeit beschreibt, wie sich ein Werkstoff beim Schneiden verhält — ob der Span kurz bricht oder sich als lange Spirale wickelt, wie schnell er das Werkzeug abnutzt und welche Schnittgeschwindigkeit möglich ist.
Bei Langdrehautomaten ist das entscheidend. Die Maschine läuft lange Schichten ohne Bedienung; ein Werkstoff, der lange Späne bildet, wickelt sie um das Werkstück und stoppt die Serie.
| Werkstoff | Zerspanbarkeit | Span | Wichtigste Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Automatenstahl | ausgezeichnet | kurz, brüchig | rostet ohne Oberflächenschutz |
| Messing | ausgezeichnet | kurz, bröckelig | höherer Werkstoffpreis |
| Aluminium | gut, schnell | lang, klebend | klebt an der Schneide |
| Edelstahl | anspruchsvoll | zäh, schlecht trennend | lange Hauptzeit |
Automatenstahl — der Maßstab
Automatenstahl hat einen erhöhten Schwefelgehalt, der die Zerspanbarkeit deutlich verbessert. Der Span bricht kurz, das Werkzeug hält lange, die Schnittgeschwindigkeit ist hoch. Für Serienteile ohne besondere Korrosionsanforderung ist er die günstigste Wahl.
Grenzen: Er rostet und lässt sich schlecht schweißen. Im feuchten Umfeld braucht er eine Oberflächenbehandlung.
Messing — beste Zerspanbarkeit, höherer Einstandspreis
Messing zerspant hervorragend: Der Span bröckelt, das Werkzeug hält lange, die erreichbare Oberflächenrauheit ist ausgezeichnet. Der Werkstoff ist zudem elektrisch leitfähig und korrosionsbeständig, was ihn für Kontaktstifte, Steckverbinder, Armaturen und Fittings prädestiniert.
Grenzen: Der Kilopreis liegt über dem von Stahl und Messing ist weich — für hoch belastete Teile ungeeignet.
Aluminium — schnell, aber mit Tücken
Aluminium erlaubt hohe Schnittgeschwindigkeiten, sodass die Hauptzeit kurz ausfällt; es ist leicht und korrosionsbeständig.
Grenzen: Es klebt an der Schneide und bildet lange Späne. Bei langen mannlosen Serien erfordert das mehr Aufmerksamkeit. Der Kilopreis liegt meist über Automatenstahl.
Edelstahl — wenn es sein muss, dann bewusst
Edelstahl ist zäh, der Span trennt sich schlechter und die Schnittgeschwindigkeiten sind niedriger. Die Maschine steht länger am Teil, das Werkzeug verschleißt schneller.
Es gibt allerdings einen Kompromiss — Automatenedelstahl mit zugesetztem Schwefel für bessere Zerspanbarkeit. Die Korrosionsbeständigkeit liegt unter der von üblichem Edelstahl, reicht für mäßig korrosive Umgebungen aber oft aus und verkürzt die Hauptzeit deutlich.
Wann sich ein Werkstoffwechsel lohnt
Drei Situationen, in denen es sich am häufigsten zu überdenken lohnt:
| In der Zeichnung | Wann eine Alternative genügt | Alternative |
|---|---|---|
| Edelstahl | Teil sitzt im Gerät, geringe Korrosionslast | Automatenstahl + galvanische Verzinkung |
| Edelstahl | Korrosionsschutz nötig, chemische Beständigkeit nicht | Automatenedelstahl |
| Aluminium | wegen „Leichtigkeit“ gewählt, Gewicht aber unkritisch | Automatenstahl |
Die erste Zeile ist mit Abstand die häufigste: Stahl mit Verzinkung kommt günstiger als Edelstahl und hält im üblichen Umfeld genauso lange. Was die Verzinkung mit den Maßen macht und was deshalb in die Zeichnung gehört, behandelt der Beitrag zur Oberflächenbehandlung von Drehteilen.
⚠️ Wechseln Sie den Werkstoff nie ohne Zustimmung der Konstruktion. Das Ziel ist nicht, auf die günstigere Variante zu drängen, sondern zu fragen, ob die ursprüngliche Wahl noch der Funktion entspricht. Ein guter Lieferant weist bei der Kalkulation von sich aus darauf hin.
Was in die Anfrage gehört
Damit der Lieferant den Werkstoff beurteilen kann, braucht er mehr als die Werkstoffnummer aus der Zeichnung:
- Wozu das Teil dient und in welcher Umgebung es arbeitet
- Ob es geschweißt wird (schließt Automatenstahl aus)
- Ob eine Oberflächenbehandlung gefordert ist
- Ob der Werkstoff verbindlich ist oder eine Alternative vorgeschlagen werden darf
- Etwaige Branchenanforderungen (Lebensmittel, Medizintechnik, Werkstoffzeugnis)
Der letzte Punkt ist oft entscheidend — wenn Sie ein Werkstoffzeugnis oder Chargenrückverfolgbarkeit brauchen, muss das von Anfang an in der Anfrage stehen.
Was Barluskat dazu beiträgt
Auf Langdrehautomaten von Tsugami und Star Micronics verarbeiten wir Automatenstahl, Edelstahl, Aluminium, Messing und Rohrstahl im Bereich Ø 3–35 mm, in mittleren und großen Serien.
Den Werkstoff beschaffen wir selbst und er ist im Teilepreis enthalten. Die konkrete Sorte wählen wir nach Funktion des Teils und nach der Umgebung, in der es arbeitet — schreiben Sie uns beides in die Anfrage und wir schlagen den Werkstoff vor. Wenn wir sehen, dass sich das Teil ohne Funktionsverlust günstiger fertigen ließe, sagen wir es.
Werkstoffzeugnisse und Chargenrückverfolgbarkeit stellen wir bereit — bei Teilen für Automotive und Medizintechnik, wohin wir liefern, ist das meist Voraussetzung.
Wählen Sie den Werkstoff für ein Serienteil? Senden Sie uns die Zeichnung und schreiben Sie dazu, wozu das Teil dient. Eine Übersicht über Werkstoffe und Maschinenpark finden Sie auf der Seite Fertigung.
